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Integrated Logistics Support im Kontext der Systembeschaffung

Abstrakt

Der vorliegende Beitrag leitet den Stellenwert des Integrated Logistics Supports (ILS) bereits während der Systembeschaffung aus verschiedenen Normen und Empfehlungen her. Der Artikel will damit der häufig zu beobachtenden Tendenz Gegensteuer geben, dass ILS faktisch wie eine funktionale Organisationseinheit fernab von der Systementwicklung gelebt wird (im Widerspruch zur Umschreibung „Integrated“ im Namen).

Referenzierte Dokumente

[1] Logistics Support Analysis, MIL-STD-1388-1A (canceled), 11.4.83, Department of Defense
[2] Acquisition Logistics, MIL-HDBK-502, 30.5.97, Department of Defense
[3] Designing and Developing Maintainable Products and Systems, MIL-HDBK-470A, 4.8.97, DoD
[4] Acquisition Logistics Guide, 3rd Edition, Dec. 97, Defense System Management College
[5] ISO/IEC Std 15288:2008: Systems and software engineering – System life cycle processes
[6] NAS System Engineering Manual (SEM), Version 3.1, 6.6.06, FAA
[7] Integrated Logistics Support Process Manual (ILSPM), Version 3, June 07, FAA
[8] Integrated Logistics Support Handbook, 3rd Edition, 2006, McGraw-Hill, Jones, James V
[9] System Analysis, Design, and Development Concepts, Principles and Practices, 2006, Wiley, Wasson, Charles
[10] Integrated Product and Process Development Handbook, Aug. 1998, Department of Defense

Artikel

Der Standard ISO 15288 [5] definiert den Systembegriff und die Lebenszyklusprozesse (Life Cycle Processes), welche für ein System anwendbar sind. Der Standard unterscheidet das eigentliche Nutzsystem (System-of-Interest oder Mission System [9]) von den zugehörigen Unterstützungssystemen (bzw. Enabling Systems, darunter speziell das Support System [9], s. Fig. 1).

Throughout the life cycle of a system-of-interest, essential services are required from systems that are not directly a part of the operational environment, e.g., mass-production system, training system, maintenance system. Each of these systems enables a part, e.g., a stage of the life cycle of the system-of-interest to be conducted. Termed „enabling systems“, they facilitate progression of the system-of-interest through its life cycle ([5] Kap. 5.1.4).

The System of Interest Architecture

Figur 1: The System of Interest Architecture (Quelle: [9] Fig. 10.1)

Der Beschaffungsprozess eines Nutzsystems muss sämtliche über die Lebenszyklen benötigten Unterstützungssysteme mitberücksichtigen (so auch für Entwicklung, Produktion, V&V und Betrieb). Im Rahmen des System Engineerings (s. [6] und [9]) werden von integrierten Teams (Integrated Product Teams, IPT) operationelle und funktionale Anforderungen analysiert und geeigneten Elementen der Systemarchitektur zugeordnet; diese Elemente können Teil des Nutzsystems oder von Unterstützungssystemen sein. Wenn verschiedene Zuordnungsvarianten existieren, ist deren Optimierung ebenfalls Aufgabe des System Engineerings; so könnte eine Verfügbarkeitsanforderung z.B. zu einem redundanten Design im Nutzsystem oder auch zu einem Unterstützungssystem in Form eines hinreichend schnellen Reparaturzentrums führen.

Wenn geeignete Unterstützungssysteme noch nicht existieren, werden diese im allgemeinen zusammen mit dem Nutzsystem beschafft (wobei [5] rekursiv auch auf Unterstützungssysteme anzuwenden ist). Sowohl im Beschaffungsprozess des US Department of Defense (https://akss.dau.mil/dag/) wie auch der FAA (http://fast.faa.gov/) gibt es dazu umfangreiche Vorschriften und Leitfäden (s. [1], [2], [3], [4], [6] und [7]).

In der Praxis werden von diesen Organisationen für dieselben Konzepte teilweise verschiedene Begriffe verwendet (Life-Cycle Logistics, Lifecycle Engineering, Logistics Management, etc.).

Integrated Logistics Support (ILS) is the disciplined and unified management of all activities necessary to produce a supportable system design and a reasonable support capability to achieve a predetermined set of measurable objectives within an acceptable cost of ownership ([8] p. 1.1).

Integrated logistics support is the critical functional discipline that plans, establishes, and maintains an integrated logistics support system for the lifecycle all FAA products and services. The objective is to provide the required level of service to the end user at optimal lifecycle cost to the FAA for new investment programs and the sustainment of fielded products and services (FAA AMS Policy Kap. 4.3.1, bzw. [7]).

Grundsätzlich werden in der angewandten Logistik die folgenden Phasen unterschieden ([4] Kap. 2.3):

  1. Planung und Beschaffung/Entwicklung des Nutzsystems mit den gewünschten Wartbarkeitseigenschaften zusammen mit den erforderlichen Unterstützungssystemen (acquisition logistics or logistics engineering).
  2. Betrieb der Unterstützungssysteme zur Unterstützung während der Nutzung des Nutzsystems (tactical/operational logistics or product support).

Je nach Interpretation der obigen Definitionen beschäftigt sich ILS also ausschliesslich mit der ersten Phase oder zu einem variablen Grad auch mit der zweiten. In jedem Fall muss sich ILS im Rahmen der Abnahmeaktivitäten auch mit der zweiten Phase beschäftigen, wie in einem künftigen Beitrag noch zu zeigen sein wird.

Wenn man ILS als Disziplin betrachtet, so ist die Logistic Support Analysis (LSA) das Vorgehensmodell von ILS. LSA wurde in den 70er-Jahren vom DoD entwickelt und im MIL-STD-1388-1(A) standardisiert. Zur Unterstützung der Interpretation und Umsetzung des Standards ist umfangreiche Sekundärliteratur entstanden, darunter [8] als eines der etabliertesten Werke. Der Standard wurde inhaltlich auch von anderen Organisationen übernommen, so z.B. vom Britischen Verteidigungsministerium im Defence Standard 00-60. Die entsprechenden Tasks sind in Fig. 2 aufgelistet.

Figur 2: MIL-STD-1388-1A Logistic Support Analysis Tasks (Quelle: [8] Fig. 12.3)

Figur 2: MIL-STD-1388-1A Logistic Support Analysis Tasks (Quelle: [8] Fig. 12.3)

Ein aktueller Standard zu Logistics Support Analysis im Bereich AeroSpace ist der S3000L der Aerospace Industries Association (ASD), auf den in einem künfiten Artikel eingegangen wird.

Es sei hier erwähnt, dass Safety, Human Factors, Reliability, Maintainability und Availability Engineering (bzw. alle in [6] Kap. 4.8 genannten Disziplinen) grundsätzlich Speciality-Engineering-Disziplinen sind, ihre Anforderungen (direkt oder indirekt) aus den operationellen Anforderungen der Benützer ableiten (z.B. aus dem CONOPS), und von den ILS-Verantwortlichen geeignet in die LSA-Tasks und integrierten Teams eingebunden werden müssen (s. [2] Kap. 9). ILS bzw. Acquisition Logistics selbst müssen ebenso als integraler Bestandteil des System Engineerings verstanden und gelebt werden (s. [2] Kap.4); ILS kann und darf nicht als ein der Entwicklung nachgelagerter Teil einer funktionalen Organisation aufgefasst werden; genauso wie System Engineering ist ILS eine umfassende und integrierende Disziplin, und nicht eine funktionale Organisationseinheit (wie dies leider in europäischen Unternehmen auch heute bzw. 20 Jahre nach breiter Einführung und Bewährung des Integrated Product and Process Developments (IPPD, s. [10]) in den USA leider noch viel zu häufig anzutreffen ist).

 

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